Die Bilanz zeigt, dass die Mehrheit der befragten
Muslime immer mehr diskriminiert werden, obwohl sie eine größere
Loyalität ihrem Land gegenüber zeigen und in Harmonie mit ihren
Mitbürgern leben wollen. „Viele Europäer glauben, dass religiöse
Identität ein Hindernis für eine gelungene Integration darstellt.
Dennoch ist die Mehrheit der Muslime ihren Ländern und Städten
gegenüber, in denen sie leben, loyal“, sagte die Projektleitern Nazia
Hussain, und forderte europäische Länder auf, mehr für eine offene
europäische Gesellschaft zu tun, für die sie ständig plädieren.
Insbesondere die letzte Volksinitiative in der Schweiz habe gezeigt,
dass Islamfeindlichkeit in Europa ein ernstes Problem sei.
Für die Studie wurden jeweils 2000 Muslime und Nichtmuslime in elf
Städten (Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen, Berlin, Hamburg, Kopenhagen,
Leicester, London, Marseille, Paris und Stockholm) in vertieften
persönlichen Gesprächen zu ihren Sorgen und Wünschen, ihrer
Selbstwahrnehmung sowie zu ihrer Einschätzung des Zusammenlebens in
ihren Bezirken befragt. Für die Befragung der Muslime wurden über 60
Fokusgruppen gewählt. Es befanden sich darunter muslimische
Führungspersonen, Akademiker, Journalisten und Aktivisten.
Die Studie, die Anfang kommenden Jahres veröffentlicht wird, zeigt
Beispiele des regionalen Wandels und führt vor, inwiefern sich
Zuständige mit den Integrationsproblemen im Bereich Bildung,
Wohnungssuche, Gesundheit und Medien befassen.
Diskriminierung auf der Arbeit, in der Schule und bei den Wahlen Die
Studie zeigt außerdem, dass Muslime viel mehr unter Arbeitslosigkeit
leiden als ihre europäischen Mitbürger. Sie werden schlechter bezahlt
und die Armut ist unter den Muslimen höher als bei anderen.
Laut Bericht sind auch muslimische Schüler Diskriminierungen in der
Schule ausgesetzt. Die Lehrer würden von muslimischen Schülern weniger
erwarten, heißt es weiter.
Auch werde Muslimen die Teilnahme an den regionalen Wahlen
vorenthalten, da sie trotz langer Aufenthalte in Europa immer noch
keine Staatsbürgerschaft erlangten.
„Religiöse Diskriminierung gegen Muslime ist ein ernsthaftes Hindernis
für eine äquivalente Partizipation in der Gesellschaft“, wird in der
Studie unterstrichen. Das Ergebnis der Studie zeige eine ähnliche
Schlussfolgerung mit den anderen Untersuchungen, die in den letzten
fünf Jahren zur Erforschung von Diskriminierung der Muslime gemacht
wurden, sagte Hussain weiter.
Hussain kritisierte ferner, dass es sehr wenig offizielle Zahlen über
Muslime in Europa gibt. Erkenntnisse über Muslime, die auf Vermutungen
und Anekdoten fußten, führten zu falschen und mangelhaften
Informationen über Muslime in Europa, fern von wahrhaftigen Erfahrungen
und Ängsten dieser Gemeinschaft.
In dem Bericht werden europäische Politiker aufgerufen, Diskriminierung
insbesondere in der Bildung und Wohnungssuche zu bekämpfen. Um eine
integrationsfreundliche Politik zu führen, müssten sie mehr auf reelle
Statistik in diesem Bereich setzen.
Die Zahl der in Europa lebenden Muslime wird auf 15 bis 20 Millionen geschätzt.
18 März 2010 - 20:30
News ID: 174849
Die Zahl der in Europa lebenden Muslime wird auf 15 bis 20 Millionen geschätzt